Bereicherung durch den Fremdsprachenunterricht

im Gespräch mit Nikolai Höfer- Hauptorganisator der Internationalen Deutsch-Woche in Berlin

nikolaihofer

berlin

M.H.: Seit wann machst Du bei der Organisation der Deutsch-Woche mit und wie bist Du dazugekommen?

N.H.: Vor zehn Jahren ungefähr war ich zum ersten Mal als Teilnehmer in der Deutsch-Woche. Die war noch damals am Seminar in Witten angegliedert. Zweimal habe ich da als Lehrer mit Interesse an Waldorfschule teilgenommen, also ich war noch nicht an einer Waldorfschule. Das zweite Mal habe ich vorgeschlagen, dass man zum Austausch untereinander eine Internetseite macht. Ich hatte dann angefangen die Seite waldorf-daf.info aufzubauen.

M.H.: Das ist eine sehr nützliche Seite für Deutschlehrer mit viel Fundus und Informationen!

N.H.: Ja, genau.  Dann vor 5-6 Jahren hat man mich kontaktiert, als die Fremdsprachen sich vom Witten lösten, ob ich mit einsteigen  könnte. Die Organisatoren waren Nicolai Petersen, Roswitha Garff, Janin Müller und Ulrike Garido. Wir haben dann die Deutsch-Woche neu ergriffen und von Witten nach Berlin und  vom Frühling auf Herbst verlegt. Und es hat sich dadurch verändert. Vorher war es eine relative kleine Veranstaltung 10 bis maximal 20 Leute. Seit dem es in Berlin stattfindet, wächst es ständig, jetzt sind wir bei 55-60 Teilnehmern und 10 bis 14 Dozenten.

Es kommen immer viele Lehrer dazu, die Deutsch als Zweitsprache unterrichten. Ihren Bedürfnissen wollen wir jetzt auch nachgehen.

M.H.: Du unterrichtest Deutsch in der Schweiz?

N.H.: Ja, Deutsch als Fremdsprache in der französischen Schweiz, in Genf. Es ist wie Frankreich, bloß dass es einen internationalen Flair hat.

M:H.: Haben die Kinder Deutsch in der französischen Schweiz gern?

N.H.: Deutsch ist in der Schweiz sehr wichtig. Jeder muss es lernen. Das ist keine große Diskussion . Es kommt auf den Lehrer an, ob er das dann beliebt macht.

M.H.: Aus welchen Ländern kommen die Lehrer in die Deutsch-Woche?

N.H.: Es ist ziemlich international. Es gibt sehr viele Teilnehmer aus Brasilien, wo es viele Waldorfschulen gibt, dann gibt es natürlich US Amerikaner, Lehrer aus Mitteleuropa, aber auch Kazahstan, Ukraine, Russland ist vertreten. So um die 15 bis 20 Nationalitäten.

M:H.: Kann man wissen, an wie vielen Schulen Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wird?

N.H.: Wir haben das mal versucht so ein bisschen zu evolvieren. Grob geschätzt ein Drittel der Waldorfschulen außer Deutschland, also an ca. 250 Schulen wird Deutsch als Fremdsprache unterrichtet.

clowning

M.H.: Dein Unterrichtspraktikum hast Du in Russland gemacht, wie waren deine Erfahrungen dort?

N.H.:  Die Fremdsprachen in Russland haben eine gute Position, weil natürlich die Menschen wissen, wenn man gut Fremdsprachen kann, dann ist der Horizont  enorm erweitert.  Kann man reisen und mit dem Westen in Kontakt treten. Dadurch haben die Fremdsprachenlehrer eine leichtere Rolle.

M.H.:  Wie erlebst Du den Fremdsprachenunterricht an den Waldorfschulen? Manche Lehrer sagen, dass es einer Achterbahn ähnelt.

N.H.: Ich war selber Waldorfschüler – übrigens meine Großmutter ging auch auf die Waldorfschule-, damals war es auch nicht leicht in dem Fremdsprachunterricht. Aber nach dem ersten Schüleraustausch in einem fremdsprachigen Milieu dann mindestens im Englisch sehr gut geht. Ja, oft ist das eine Achterbahn. Aber ich persönlich denke, dass durch die Freiheit, die wir haben, können wir eine sehr gute Basis anlegen. Da ist dann die Kunst dessen anzuknüpfen und wissen, was der Lehrer davor gehabt hat, um diesen mündlichen Schatz nicht zu verlieren sondern ihn zu kultivieren, im Sprechen zu bleiben und sich nicht im Grammatikalischen verlieren. Das ist dann auch eins der Hauptprobleme, dass so vieles bei einem Lehrerwechsel verloren geht und nicht weitergeübt wird.

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M.H.: Hast Du Übungen, die Du unbedingt empfehlen würdest?

N.H.: Ich arbeite sehr viel mit Musik. Ich persönlich finde es extrem wichtig. Gestern habe ich es in meiner Arbeitsgruppe erzählt: in der letzten Woche hatte ich die Schüler in der siebten Klasse gefragt, ob mir jemand das Viertklassheft mitbringen könnte, da ich es nicht mehr hatte. Es hat nicht geklappt, keiner hat es gefunden. Aber während ich es fragte kam einer der frechsten Jungs, der mich damals genervt hat, und fing an eins der Lieder zu singen, das wir damals hatten. „Cowboy Jim aus Texas…“ eigentlich kein besonderes Lied, aber für mich war es faszinierend, wie die Lieder so sich im Gehirn  installieren und  dann vier Jahre später selbst bei einem Schüler, der nicht so viel mitgenommen hat  von dem Rest, einfach hängen bleiben und sehr lange  wirken.

Außerdem versuche ich in der Unterstufe große Bilder aufzubauen, also eine fortlaufende Geschichte mache ich mit Räuber Hotzenplotz  z.B..  Die Schüler bekommen ein großes Bild sozusagen, wo so vieles reinkommt. Ich sage nie, wir singen jetzt ein neues Lied, sondern  aus der Geschichte entsteht die Notwendigkeit dieses zu singen, weil die Helden der Geschichte es gerade singen oder ihnen vorgesungen wird usw. und das ist etwas, was ganz toll funktioniert : die großen Bogenspannen und dass wir viel singen.

 

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M.H.: Und in der Mittelstufe?

Ja, in der Mittelstufe ist es nicht unbedingt leicht mit dem Singen. Da arbeite ich mit Pop Songs, deutsche Pop Songs und auch Sprechstücke und Sprechgesang. Der Rhythmus nimmt die Schüler so mit, dass man eigentlich gar nicht anders kann als mitzumachen. Und das ist eben was ich empfehlen könnte.

M.H.: Wann beginnen die Schüler, die du führst, Deutsch zu reden?

N.H.: Ich versuche, dass sie in der Dritten zu kleinen Dialogen kommen. Das ist so in meinem Programm. Sie stellen sich vor der Klasse vor. Und ich versuche Momente einzubauen wo sie zum freien Sprechen kommen. Es gibt natürlich Strukturen schon dahinter. Letztes Jahr hatte meine sechste Klasse eine „Klassenarbeit“ machen müssen. Das war quasi eine kleine Prüfung, die dann mit den einzelnen Schülern sechs Minuten dauerte. Da gab es schon Schüler, die sehr weit gekommen sind. Und es gab ja auch Schüler die  außer kleineren Strukturen, wie: „Ich wohne…, Ich heiße…, ich gehe…..“ nicht mehr konnten.

M.H.: Was denkst Du, was ist sehr wichtig für ein Fremdsprachenlehrer?

N.H.: Als Fremdsprachenlehrer sollte man immer im Hinterkopf tragen, dass eine der wichtigsten Aufgaben das Brückenbauen ist. Das heißt die Bereicherung, die ein Kind erfährt, wenn es eine zweite Sprache lernt, finde ich am wichtigsten, wie immer man das macht, durch künstlerische Arbeit, Auslandsreisen, Einladung von Muttersprachler, die vielleicht was Interessantes erzählen etc. Ich bin in Deutschland aufgewachsen und es gab keine anderen Sprachen um mich herum, obwohl meine Eltern gebildet waren. Es hat lange gedauert, bis ich als Schüler an der Waldorfschule begriffen habe, was ich im Fremdsprachenunterricht  mache und eigentlich etwas Wichtiges erleben kann. Es ist ganz anders, wenn man in der Schweiz aufwächst, dann kommt man viel schneller in dieses Sich Öffnen für die Fremde. Deswegen denke ich mir, dass es in den Regionen, wo es Angst von den Fremden da ist, wahrscheinlich noch wichtiger wäre viel in den Fremdsprachenunterricht zu investieren.

M.H.: Ich bedanke mich für diese bereichernden Gedanken und wünsche Dir und den Teilnehmern der Deutsch-Woche viel Freude und Spaß am Deutschunterricht!

Mihály Hevesi

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