Meine Begeisterung für die Bienen begann schon in meiner Kindheit, als ich mit 14 Jahren meinem Großvater in seiner Imkerei half. Später, schon als Waldorflehrer, begann ich meine eigene Imkerei zu führen, während ich ständig dazu lernte, die Bienen beobachtete, fotografierte und filmte. Vor zehn Jahren fing ich an, Bienenepochen für Waldorfschulen in Österreich und Ungarn anzubieten.
In diesem Artikel gebe ich eine kurze Beschreibung meiner ersten Bienenepoche und der Erfahrungen, die ich gesammelt habe.
Der Artikel erschien vor acht Jahren in der Bienenzeitung und kann bei der Gestaltung eines Bienenprojekts für den Unterricht hilfreich sein. Seitdem habe ich viele Bienenepochen an verschiedenen Schulen unterrichtet. Meiner Erfahrung nach werde ich meistens eingeladen, wenn eine Schule eine Vertretung für ein paar Wochen braucht oder wenn eine Klassenlehrerin oder ein Klassenlehrer sich nicht traut, eine Bienenepoche selbst zu unterrichten.
Falls jemand Hilfe bei der Organisation einer Bienenepoche oder nur weitere Informationen braucht, kann er/sie sich gerne an mich wenden (hevesim@yahoo.com). Diese Epoche kann von der 1. bis zur 12. Klasse durchgeführt werden. Sie wird natürlich je nach Klassenstufe individuell angepasst. Die Dauer kann von ein paar Tagen bis zu 2-3 Wochen variieren.
“So begann es – meine erste Erfahrung mit einer Bienenepoche
Ende letzten Jahres schrieb ich einigen österreichischen Schulen und bot an, Bienenunterricht zu geben. Zu meiner großen Freude antworteten drei Schulen, und eine lud mich ein, nach einem Telefongespräch meine erste Bienenepoche für die 7. Klasse zu halten.
Das wurde für mich zu einer wirklich außergewöhnlichen Erfahrung. Zwei Wochen lang, insgesamt zwanzig Stunden, tauchten wir mit den Schülerinnen und Schülern in die faszinierende Welt der Honigbienen ein. Ich versuchte, das Thema so praxisnah und lebendig wie möglich zu gestalten. Mein Ziel war es, den Kindern die Bienen näherzubringen und ihnen grundlegendes Wissen spielerisch und spannend zu vermitteln. Gleichzeitig wollte ich ihr langfristiges Interesse an der Natur wecken und ihre Wertschätzung für Bienenprodukte wie Honig, Propolis, Wachs oder Pollen fördern.
Wann immer es das Wetter erlaubte, öffneten wir einen Bienenstock vom Stand der Schule. Alternativ brachte ich einen Schaukasten mit lebenden Bienen ins Klassenzimmer. Für Schulen, die keinen eigenen Bienenstand haben, empfehle ich den Kontakt zu einer Imkerin oder einem Imker, die häufig in der Umgebung oder unter den Eltern zu finden sind. So können Materialien wie eine Wabe mit Bienen für den Schaukasten oder ein leerer Bienenstock organisiert werden. Die Kinder waren so begeistert, dass sie selbst in den Pausen um den Schaukasten herumsaßen und das Verhalten der Bienen beobachteten.
Die erste Woche: Praxisnaher Einstieg in die Welt der Bienen
Montag: Ich stellte einen Bienenstock auf den Tisch, ohne zu verraten, dass er leer war. Das sorgte für Spannung. Die Atmosphäre wurde durch ein Gedicht, Lieder und Bienenbewegungen eingeleitet, die wir jeden Tag wiederholten oder erweiterten.
Mein Lieblingsgedicht:
„Wer seinen Wohlstand vermehren möchte,
der sollte sich an den Bienen ein Beispiel nehmen.
Sie sammeln den Honig, ohne die Blumen zu zerstören.
Sie sind sogar nützlich für die Blumen.
Sammle deinen Reichtum, ohne seine Quellen zu zerstören.“ (Anonym)
Die Kinder hatten viele Fragen, durch die wir tief in die Welt der Honigbienen eintauchten: von der Imkerei im alten Ägypten, über den Bienentanz, bis hin zum Wert des Bienenwachses im Mittelalter.
Dienstag: Wir sprachen über den Körperbau der Bienen und ich zeichnete eine Biene sowie einen Bienenstock an die Tafel. Die Kinder kopierten sie in ihre Hefte und lernten so, die Honigbiene besser zu verstehen und von Wespen oder anderen Bienenarten zu unterscheiden.
Mittwoch: Wir untersuchten die Unterschiede zwischen Königin, Drohne und Arbeiterin. Fotos aus meiner Imkerei halfen dabei, die Königin zu erkennen und die Struktur des Bienenstocks besser zu verstehen.
Donnerstag: Die Sinnesorgane der Bienen standen im Fokus. Die Kinder testeten, wie sie als Bienen die Welt „wahrnehmen“ würden: Mit verbundenen Augen erkannten sie Düfte wie Honig, Propolis oder Zitronenmelisse. Dabei erklärte ich die Bedeutung des Bienentanzes und der Geruchskommunikation im Bienenstock.
Freitag: Wir sprachen über die Entwicklungsstadien der Bienen. Eine leere Mittelwand und eine mit Honig gefüllte Wabe gaben den Kindern ein Gefühl für die erstaunliche Struktur der Wabenzellen. Ein Video über das Schlüpfen einer Biene rundete den Tag ab.
Die zweite Woche: Bienenprodukte und mehr
Montag und Dienstag: Für Kinder, die wegen Orchesterproben fehlten, wiederholten wir die bisherigen Inhalte. Gemeinsam holten wir eine Wabe aus dem Bienenstock und beobachteten die Bienen im Schaukasten.
Ich führte Spiele mit Spielkarten ein, die wichtige Elemente und Prozesse im Bienenstock zeigen.
Mittwoch: Wir kosteten verschiedene Honigsorten, probierten Blütenpollen und Bienenbrot und sprachen über die antibakteriellen Eigenschaften des Honigs in der Medizin.
Donnerstag: Beim „Honigspiel“ mussten die Kinder mit verbundenen Augen Zuckerlösung von Akazien- oder Sonnenblumenhonig unterscheiden. Ein Kurzvideo zeigte die 21-tägige Entwicklung von der Larve zur Biene.
Freitag: Wir fassten das Gelernte zusammen, und ein Naturfilm über das Leben der Honigbienen bildete den Abschluss der zwei Wochen.
Fazit
Diese zwei Wochen waren auch für mich eine prägende Erfahrung. Ich sah, wie die Welt der Bienen für die Kinder lebendig wurde und wie sie bewusster und aufmerksamer wurden. Ich hoffe, dass diese Eindrücke langfristig nachwirken und einige von ihnen zu zukünftigen Imkern oder Umweltschützern werden. In meinen kommenden Bienenepochen werde ich auch andere Bienenarten miteinbeziehen, um die Bedeutung der Biodiversität im Schulunterricht zu betonen.”
Ein empfehlenswertes Buch von dem Author:





